Wann ist der Meister ein Meister?

Literaturangaben
Bennett Alex: Jigoro Kano and the Kodokan – an innovative Response to Modernisation, Kodokan Judo Institute, 2009 Born, Dieter: Die Entwicklung des Graduierungssystems in Japan, Vortrag beim DJB Dan-Träger- Treffen, 2008 Niehaus, Andreas: Leben und Werk 

DerAutor
Wolfgang Dax-Romswinkel, Jahrgang 1960, 6. Dan Judo, ist ehemaliges Mitglied der deutschen Jugend-, Junioren- und Seniorennationalmannschaft und amtierender Europameister Ju-no-Kata. Er arbeitet in verschiedenen Arbeitsgruppen des DJB zu den Schwerpunkten Technik, Kata, Didaktik und Pädagogik.


Welchen Dan hatte eigentlich Jigoro Kano? Wieso gibt es überhaupt ein Gradierungssystem im Judo und wie hat es sich entwickelt? Was sind die Vor- und Nachteile? Welchen Stellenwert haben die Gradierungen in Japan, im Kodokan? Bestehen in Europa bzw. im deutschsprachigen Raum andere Massstäbe für die nächste Gradierung?

Diesen und anderen Fragen rund um die Gürtelfarben geht Wolfgang Dax-Romswinkel, 6 Dan Judo und amtierender Ju-no-Kata Europameister nach. Der Artikel erschien in gekürzter Form im (Judo Magazin) des Deutschen Judo-Bundes (DJB) und wurde dem DOJO freundlicherweise zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.

Die Entwicklung des Graduierungssystems ist eine Innovation Jigoro Kanos, die sich als ausserordentlich hilfreich bei der Verbreitung des Kodokan-Judo erwiesen hat. Bereits in den Schulen der traditionellen Kriegskünste (Koryu-bugei) gab es ein System der Anerkennung und Lizenzierung in meist fünf Stufen. Kano erkannte den psychologischen Anreiz, der in diesem System lag, empfand jedoch die Zeiträume von teilweise mehreren Jahren, die der Einzelne auf jeder Stufe verweilen musste, als zu lang, um das System auch tatsächlich als Motivationsmittel nutzen zu können.

Die grundsätzliche Idee eines gestuften Gratifikationssystems griff Kano daher auf, als er das Graduierungssystem des Kodokan erdachte, verdoppelte aber die Anzahl der Stufen, oder anders ausgedrückt, er verringerte die Zeiten zwischen den Graduierungen um den Schülern eine realistische und überschaubare Perspektive für ihr Aufsteigen zu bieten.

Ausserdem wurden mit der Zeit mehr oder weniger nachvollziehbare Kriterien geschaffen, nach denen Graduierungen vorgenommen wurden, so dass das System für Schüler transparenter war als die Vorläufer aus dem Koryu-Jujutsu.

Am Anfang die Dan-Grade
Bereits kurz nach Gründung des Kodokan nahm Kano eine Unterscheidung in Nicht-Graduierte (Mudansha) und Graduierte (Yudansha) vor. Die Graduierungen der Yudansha, also der DanTräger, wurden der Einfachheit halber durchnummeriert: 1. Dan, 2. Dan, 3. Dan usw. Die weitere Unterteilung  der Mudansha in Kyu-Grade wurde erst später vorgenommen.

Das Dan-System war dem Gedanken folgend, dass Wissen und Können stets wachsen können, grundsätzlich nicht nach oben begrenzt. So merkte Kano 1930 in einem Artikel der Zeitschrift

(Sakko) an, dass er zwar zehn Dan Grade festgelegt habe, es aber auch durchaus möglich sei, höhere Grade zu erreichen. Später (1935 und 1937) schuf er allerdings Fakten, indem er als höchsten Grad den 10. Dan verliehen hat und höhere Dan-Grade nicht mehr erwähnt wurden. Somit blieb und bleibt es in der Praxis bei zehn DanGraden im Kodokan-Judo.

Kano selbst hatte übrigens keinen DanGrad, wer sollte in seinem Falle auch über eine Graduierung entscheiden?

Entwicklung des Kyu-Systems
Die Mudansha waren zunächst in drei Gruppen unterteilt. Nacheinander durchliefen die Schüler die Ränge (hei), (otsu), und (ko). Mit der zunehmenden Anzahl von Kindern wurden die drei Ränge der Mudansha verdoppelt, um häufigere Erfolgserlebnisse zu ermöglichen. Es entstanden die Kyu-Grade (von Kyu: Rang, Klasse), die rückwärts gezählt wurden, vom Mu-Kyu (Anfänger ohne Kyu, später 6. Kyu) über den 5. Kyu, 4. Kyu usw. bis zum 1. Kyu. Ein derartiges Kyu-System gab es ab 1878 bereits bei den Vorläufern des Kendo.

Im Jahr 1895 wurde die Dai-Nihon Butokukai (DNBK), die (Grossjapanische Vereinigung der Kriegskünste) gegründet, in der es Sektionen für Jujutsu, Kenjutsu (Kendo) usw. gab. Die DNBK etablierte ein im Grossen und Ganzen einheitliches Graduierungssystem für die unterschiedlichen Kampfkünste.

Da im Kenjutsu bereits das Kyu-System, im Kodokan-Judo das Dan-System vorhanden war, wurde zur Vereinheitlichung als Kompromiss ein kombiniertes System aus Kyu- und Dan-Graden für beide entwickelt, das in ähnlicher Form auch in andere Kampfkünste (Kyudo, Aikido, Karate u.a.) übernommen wurde.

Schliesslich gab es spätestens ab dem Jahr 1923 noch eine Unterscheidung der Graduierungen von Kindern unter 15 Jahren (Shonen-gumi) und Erwachsenen über 1 5 Jahren (Seinen-gumi).

Interessant ist, dass der gesamte Bereich der Kyu·-Grade kaum reglementiert wurde. Die Vergabe von Kyu-Graden war eine Angelegenheit der einzelnen Dojo – und ist es in Japan bis heute.

Es braucht Gürtelfarben
Erst etwa drei bis vier Jahre nach der Etablierung des Graduierungssystems, also ca. 1886/87 begannen die DanTräger des Kodokan schwarze Gürtel als Zeichen für ihre Graduierung zu tragen. Farbsymbole als Rangunterscheidung gab es bereits in einigen traditionellen Schulen, jedoch waren die schwarzen Gürtel ein Spezifikum des Kodokan.

Farbige Gürtel zur Unterscheidung der Kyu-Grade wurden später schrittweise eingeführt.
Im Jahr 1923 galt z.B. folgende Einteilung:
– Anfänger: hellblau (wörtlich (wasserblau)), später ebenfalls weiss
– 5. bis 4. Kyu: weiss
– 3. bis 1. Kyu: Kinder violett, Erwachsene braun

Die Verwendung der in Europa üblichen Gürtelfarben für Kyu-Grade (weiss, gelb, orange, grün, blau, braun) entstammt nicht dem Kodokan.
Farbige Gürtel (ungefähr in der heute üblichen Reihung, um Kyu-Grade anzuzeigen), tauchten im Judo erstmals etwa um 1926/27 arn Budokwai in London auf.

Am 1. März 1930 wurde schliesslich auch ein Farbsystem bei den Dan-Graden eingeführt:
– 1. bis 5. Dan: schwarz
– 6. bis 9. Dan: alternierend rotweiss
-10. Dan: rot
– Erst im Januar 1943, wurde auch dem 9. Dan ein roter Gürtel zugeordnet

Frauen, für die einige Sonderregelungen gelten, haben einen schmalen weissen Längsstreifen in ihrem Gürtel und tragen bereits ab dem 8. Dan einen roten Gürtel.
Rot-weisse und rote Gürtel gelten in Japan vorwiegend als zeremonielle Gürtel, die stets bei feierlichen Anlässen, aber nicht, oder nur selten im alltäglichen Training getragen werden. ln der Praxis gibt es aber individuelle Unterschiede.

Kriterien für Graduierungen
Wofür sollten nun, ganz allgemein, Graduierungen zuerkannt werden?

Wie sind Fortschritte in einem System zu bemessen, das neben technischen und kämpferischen Fertigkeiten auch Gesundheitsförderung, Charakterschulung und soziale Verantwortung als wesentliche Ziele betont? Konsequenterweise flossen (und fliessen bis zum heutigen Tag) daher neben den praktischen Fertigkeiten auch charakterliche und soziale Eigenschaften in die zu berücksichtigenden Kriterien für Graduierungen ein.

ln den 1925 gedruckten Regeln für Kyu- und Dan-Grade des Kodokan heisst es dazu in Artikel 10 (aus A. Bennett, 2009, S. 116):
Die Entscheidung über eine Graduierung basiert auf dem Charakter des Kandidaten, seinen Fertigkeiten in Kata und Randori, Wissen über Judo, Teilnahme am Judo-Training, Ergebnisse im Judo usw. Die Beurteilung der Kandidaten geschieht auf der Basis der folgenden Kriterien:

a) Wenn ein Kandidat charakterliche Mängel aufweist, wird er nicht graduiert, auch wenn er andere Bedingungen erfüllt.

b) Bei Kandidaten, die einen guten Charakter besitzen, fleissig trainieren, die das durch Judo Gelernte im täglichen Leben anwenden und durch Judo Fortschritte gemacht haben, können hierdurch bis zu einem gewissen  Grade technische Defizite ausgeglichen werden.

c) Die Bewertung der Judo-Techniken berücksichtigt besonders Haltung, Balance und Sicherheit bei der Ausführung.

d) ln Bezug auf das Wissen über Judo müssen Kandidaten für den 1. Dan oder höher ein sicheres Verständnis der Theorie der Judo-Techniken nachweisen und demonstrieren, welche Bedeutung dies in ihrem Judo hat.

Technische Fertigkeiten und Kampfstärke sind also bei weitem nicht die einzigen Kriterien für die Vergabe einer Graduierung, was dem Anspruch des Kodokan-Judo, ein umfassendes System zur Persönlichkeitsbildung zu sein, zwar gerecht wird, sich jedoch naturgernäss einer objektiven Beurteilung noch mehr entzieht als die  Üeberprüfung praktischer Fertigkeiten.

Die Leistungen in Randori wurden (und werden immer noch) durch die Ergebnisse bei den regelmässig stattfinden, den Graduierungsturnieren (Tsukunami-shiai und Kohaku-shiai) beurteilt.

Um graduiert zu werden, muss ein Kandidat,  bis einschliesslich zum 8. Dan(!) eine bestimmte Anzahl an Gegnern im Wettkampf besiegen und so die Punkte für die nächste Graduierung sammeln. Die Anzahl der nötigen Punkte reduziert sich mit der Dauer der Vorbereitungszeit.

Eine Sonderform ist die direkte Graduierung zum nächst höheren Grad, wenn nacheinander sechs Gegner, und mindestens fünf davon mit lppon, besiegt wurden.

Der Bereich Kata wird bei höheren Dan-Graden durch öffentliche Vorführungen nachgewiesen. Für hohe DanGrade erfolgen diese auf entsprechend hochrangigen Veranstaltungen. So musste z.B. der mehrmalige Weltmeister und Olympiasieger Yasuhiro Yamashita für die Graduierung zum 8. Dan die Koshiki-no-Kata vor rund 10’000 Zuschauern im Rahmenprogramm der Alljapanischen Meisterschaften demonstrieren.

Ein wie in Deutschland (oder der Schweiz) detailliert festgelegtes technisches Programm, dessen Beherrschung durch eine Kommission geprüft wird, gibt es in den japanischen Prüfungsrichtlinien nicht,  weder früher noch heute. (Technik) wird im Rahmen der Kata geprüft.

Der Versuch der Schaffung (harter) Kriterien im Graduierungswesen bedingt einen Trend zu einer fortschreitenden Formalisierung und Regulierung.

Hierbei besteht naturgernäss die Gefahr, durch formale Beschränkungen Chancen zur Honorierung des individuellen Fortschritts zu verspielen.

Das Graduierungswesen kann, wie das gesamte Judo, aber nicht auf die Betonung der Verantwortlichkeit von Übungsleitern und Trainern verzichten, die auch in der Lage sein müssen, (pädagogische) Graduierungen vorzunehmen.

Diese Verantwortung, als Wesensbestandteil des Kodokan-Judo, gilt es nach Überzeugung des Verfassers zu stärken.

Bekanntgabe und Beurkundung
Jigoro Kano war der Ansicht, dass die Beurkundung einer neuen Graduierung und eine öffentliche Würdigung den Stolz und damit die Motivation der erfolgreichen Kandidaten anregen würde. Die ersten Graduierungsurkunden wurden bereits 1894 gedruckt, bis dahin waren sie handschriftlich abgefasst. Im selben Jahr fand auch die erste grosse Verleihungszeremonie im Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeiten für das Dojo in Shimotomizaka-cho mit 103 zu Ehrenden statt. Interessant ist der Text der Urkunden:

1., 2. und 3. Dan
(Der Halter dieses Zertifikats hat grosse Anstrengungen im Studium von Nihon-den-Kodokan-Judo unternommen und ausreichende Fortschritte gemacht, um mit dem 1. (2./3.) Dan ausgezeichnet zu werden. Er wird sein Training fortsetzen, um seine Fertigkeiten zu verbessern.)

4. und 5. Dan
(Über einen Zeitraum von mehreren Jahren hat der Halter dieses Zertifikats grosse Anstrengungen beim Studium von Nihon-denKodokan-Judo unternommen, grosse technische Fähigkeiten gezeigt und wird hierfür mit dem 4. (5.) Dan ausgezeichnet. Er wird weiter studieren, um ein Lehrer zu werden.)

6. Dan
(Über einen Zeitraum von mehreren Jahren hat der Halter dieses Zertifikats grosse Anstrengungen beim Studium von Nihon-den-Kodokan-Judo unternommen, eine Meisterschaft in der Technik demonstriert und wird hierfür mit dem 6. Dan ausgezeichnet. Er muss weiter studieren, um ein echter Meister zu werden.)

Aus den Formulierungen wird ersichtlich, dass ein Dan-Grad keineswegs als (Meistergrad) zu verstehen ist, wie es im Westen häufig verstanden wird.

Der 1. Dan markiert vielmehr den Einstieg in ein ernsthaftes Judo-Studium, nachdem man den Anfängerstatus überwunden hat.

Auffällig ist ferner, dass alle Beurkundungstexte mit der Aufforderung schliessen, weiter zu studieren. Dies betont noch einmal die Funktion der Graduierungen, über Anerkennung der Anstrengungen,  auch diese werden in den Texten jeweils lobend erwähnt, zu fortgesetzten Bemühungenzu motivieren.

Regularien und Prüfungsregeln
ln der Anfangszeit des Kodokan entschied Jigoro Kano noch persönlich über jede Graduierung. Mit zunehmender Verbreitung war dies aber nicht mehr möglich. Nach und nach wurden Gremien eingesetzt, die über Regularien formaler und inhaltlicher Art beschlossen, Vorschläge zu Graduierungen sichteten und Entscheidungen darüber trafen. Die wichtigsten Meilensteine waren:

1912
Yudansha sho dan suisen kisoku, (Regeln für die Empfehlung zur Erhöhung der Dan-Graduierung von Dan-Trägern).

01.7.1923
Kodokan shiken kisoku, (Prüfungsregeln des Kodokan) sowie: Dan-Kyu kisoku, (Dan-KyuRegeln des Kodokan).

01.8.1957
Kodokan Sho dan-shikaku ni kansuru naiki, (Regularien für die Qualifikation zum Erhalt eines höheren Kodokan-Dan-Grades).

Kleinere Modifikationen erfolgten noch 2005 und etwas weiterreichende im Jahr 2009, als die Graduierungsregeln für Männer und Frauen zum Teil angeglichen wurden.

Graduierung, Prestige und Macht
Das Graduierungssystem wurde konsequent als Mittel der Motivation von aussen entwickelt. Insbesondere die öffentliche Bekanntmachung der Graduierung und die bis heute übliche Nennung der Graduierung bei öffentlichen Anlässen sorgten dafür, dass in einem Dan-Grad ein hoher Prestigewert gesehen wurde und wird.

Hinzu kam noch, dass in den (Erwartungen an die Kodokan-Schüler) formuliert war, dass sich die weiter fortgeschrittenen Schüler um die weniger weit fortgeschrittenen bemühen und umgekehrt die (Juniors) den Ratschlägen der (Seniors) folgen sollten.

Das Kyu-/Dan-System bestimmte auf diese Weise also wesentlich die Hierarchie innerhalb des Dojo. Dies führte natürlich zwangsläufig dazu, dass denjenigen, die über Graduierungen entscheiden, ein besonderes Machtmittel an die Hand gegeben wurde, denn sie vergaben die Ränge in der sozialen Ordnung des Judo.

Das Kyu-/Dan-System ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits kann es die Funktionen, die Kano ihm zugedacht hat, durchaus erfüllen, andererseits öffnet es auch Neid, Missgunst, Eitelkeit und Machtbedürfnissen Tür und Tor- Eigenschaften, die den sozialen Zielen von Judo genau entgegenlaufen.

Die Grenze zwischen dem Judo dienlichen (politischen) Verleihungen, diese waren teilweise wichtig zur Verbreitung des Judo – und der Korrumpierung des Systems war und ist nicht immer trennscharf.

Die ersten Träger der einzelnen Dan-Grade
Die folgende Übersicht zeigt die ersten Graduierten für jeden Dan-Grad und die vollständige Liste aller Träger des 10. Dan Kodokan bis heute.

1. Dan / August 1883
– Saigo Shiro
– Tomita Tsunejiro

2. Dan / November 1884
– Saigo Shiro
– Tomita Tsunejiro

3. Dan / September 1885
– Yamashita Yoshitsugu

4. Dan / August 1885
– Saigo Shiro

5. Dan / Februar 1888
– Tomita Tsunejiro

6. Dan / Januar 1898
– Yamashita Yoshitsugu
– Yokoyama Sakujiro

7. Dan / November 1904
– Yamashita, Yoshitsugu
– Yokoyama Sakujiro

8. Dan / September 1912
– Yokoyama Sakujiro

9. Dan / April1930
– Yamashita Yoshitsugu
– Nagaoka Hideichi
– Isogai Hajime

10. Dan / Oktober 1935 (posthum)
– Yamashita Yoshitsugu

10. Dan / Dezember 1937
– Nagaoka, Hideichi
– lsogai Hajime

10. Dan / Mai 1945
– Mifune Kyuzo

10. Dan / April1946
– lzuka Kunisaburo

10. Dan / April1948
– Samura Kaichiro
– Tabata Shotaro

10. Dan / Juni 1967 (posthum)
– Okano Kotaro

10. Dan / Oktober 1969 (posthum)
– Shoriki Matsutaro

10. Dan / Dezember 1977 (posthum)
– Nakano, Shozo

10. Dan / Oktober 1979 (posthum)
– Kurihara Tamio

10. Dan / April1984
– Kotani Sumiyuki

10. Dan / Januar 2006
– Daigo Toshiro
– Abe lchiro
– Osawa Yoshimi

An dieser Aufstellung sind mehrere Punkte auffällig:
– ln der Anfangszeit waren die Zeiten zwischen den Dan-Graduierungen, jedenfalls bei den herausragenden Schülern, ausgesprochen kurz.

– Es dauerte 18 Jahre von der erstmaligen Verleihung eines 8. Dan bis zur Verleihung eines 9. Dan, aber nur fünf Jahre bis der so ausgezeichnete Yoshitsugu Yamashita posthum mit dem 10. Dan geehrt wurde.

– Auf relativ viele Verleihungen eines 10. Dan zwischen 1945 und 1948 folgte für einen Zeitraum von 19 Jahren überhaupt keine Verleihung eines 10. Dan.

– Die nächsten vier Verleihungen eines 10. Dan erfolgten ausnahmslos posthum.

– Erst wieder 1984 wurde einem lebenden Judoka der 10. Dan verliehen, erstmals
nach 36 Jahren.

– Es dauerte weitere 22 Jahre, bis der 10. Dan erneut verliehen wurde, dann aber
erstmals in der Geschichte gleich an drei Personen gleichzeitig.

Die Gründe hierfür liegen unter anderem darin, dass sowohl Kyuzo Mifune (1965) als auch Sumiyuki Kotani (1991) als zu dieser Zeit einzige lebende Träger des 10. Dan verstorben sind, ohne die Verleihung dieses Grades an einen Nachfolger betrieben zu haben.

Wolfgang Dax-Romswinkel